Ausreinigung der Wiesenbacher Orgel in der Endphase

Ev. Kirche Wiesenbach: Ausreinigung der Orgel in der Endphase
Die Ausreinigung der Wiesenbacher Orgel geht in ihre Endphase. Die Arbeiten an der Traktur sínd fast abgeschlossen und die meisten Pfeifen sind wieder eingebaut. Derzeit noch in Aufarbeitung sind die Zungenpfeifen, was einen großen
Kehle einer Zungenpfeife vor der Reinigung
Arbeitsaufwand darstellt. Während die meisten Orgelpfeifen nach dem Prinzip einer Blockflöte arbeiten (Lippenpfeifen), erfolgt die Tonerzeugung bei Zungenpfeifen durch ein vibrierendes Metallblatt ähnlich wie bei einer Mundharmonika, verstärkt und klanglich beeinflusst durch einen trichterförmigen Aufsatz. In der Wiesenbacher Orgel sind gut 80 Zungenpfeifen eingebaut,
Kehle einer Zungenpfeife nach der Ausreinigung
wobei bedingt durch die Verstaubung und das feuchte Raumklima hier Reinigung und Aufarbeitung besonders arbeitsintensiv sind. Orgelbauer Thomas Wohlleb rechnet für die Arbeiten an einer einzigen (!) Zungenpfeife rund eine Viertel Stunde, so dass der Umfang der Arbeiten an den Zungenpfeifen auch für Laien begreifbar wird. Das Metallblatt aus Messing liegt auf einer Kehle, ebenfalls aus Messing, die erst von Korrosion und Schmutz befreit werden muss,
 Kehle mit Zungenblatt und Stimm-Krücke nach der Reinigung
damit das Zungenblatt auch wieder richtig schwingen kann und die Pfeife dann auch schön klingt. Die Einstellung der Tonhöhe erfolgt durch eine Krücke aus Kupfer, die die Länge des schwingenden Zungenblattes reguliert. Die Krücke wird geführt durch ein Loch in der Nuss aus Blei, wobei sich in Wiesenbach vermutlich wegen hoher Luft-feuchtigkeit Ablagerungen gebildet haben (Bimetallkorro-sion), die die Stimmung massiv behindert. Auch hier erfolgt eine Reinigung. Das Ganze wird dann wieder in den „Stiefel“ eingebaut, von der Zungen-pfeifentechnik ragt dann nur die Stimmkrücke heraus. Ganz schön kompliziert ist diese Technik, sie verleiht der Wiesenbacher Orgel aber eine tolle akustische Note, ein Klang der bei kleinen Orgeln selten zu finden ist. Wenn dann noch die neuen Lüftungsschlitze eingebaut sind (bessere Belüftung wegen der hohen Luftfeuchte), kann in Kürze der Orgelsachverständige der Landeskirche die Arbeiten abnehmen. Die Wiesenbacher können dann ihre Orgel in der Advents- und Weihnachtszeit in einem schönen, sauberen Klang genießen.
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